Im Bereich Coaching herrscht eine Begriffsvielfalt. Dies liegt zum einen daran, dass Coaching kein geschützter Begriff ist und zum anderen, dass die Profession des Coaches noch sehr jung ist. Das heißt, es gibt bisher keine verpflichtenden Kriterien, die ein Coaching erfüllen muss. Wie kann nun der Begriff Coaching Plattform definiert werden?

Online Coaching Plattform – Begriffsklärung

Angelehnt an die Definition von Onlineberatung (Reindl, 2009) bietet eine Coaching Plattform die Möglichkeit einen Experten und einen Ratsuchenden digital zusammenzubringen. Gemeinsam können sie die Herausforderungen, vor denen der Ratsuchende steht, angehen. Die Interaktion erfolgt dabei über verschiedene Endgeräte (z.B. Laptop, Tablet, Smartphone) und diverse Kommunikationskanälen (z.B. Video, Telefonie, E-Mail, andere Nachrichtendienste), so dass sowohl zeitgleich als auch zeitversetzt kommuniziert werden kann. Darüber hinaus kann der Coach verschiedene interaktive Tools, wie beispielsweise Messaging oder Whiteboards, für das Digitale Coaching einsetzen. Je nach Qualität der Plattform variiert das Angebot an Tools.

Der Coach hat dabei die Möglichkeit auf Online Tools zurückzugreifen, die er unterstützend im bspw. Digitalen Coaching verwenden kann. Die Tools können je nach Angebot der Online Plattform variieren. Dabei kann jeder Coach entscheiden, welche Tools er im Coaching einsetzt und welche er für sinnvoll und erfolgreich erachtet.

Welche Qualitätsmerkmale machen den Unterschied?

Es gibt eine Anzahl an Qualitätsmerkmalen, die gegeben sein sollten, um einen professionellen Coaching Prozess zu garantieren. Hierbei konzentriert sich der Artikel auf die wichtigsten Merkmale. Mit einer Checkliste können Sie schnell und einfach überprüfen, wie professionell eine Plattform ist und ob sie Ihre Anforderungen erfüllt. So sollte eine gute Coaching Plattform zunächst eine hohe Benutzerfreundlichkeit besitzen. Unternehmen, Coachees und Coachs können hier bestenfalls alle relevanten Informationen einfach einsehen und verwalten. Das Format ist dabei passgenau auf die entsprechende Zielgruppe zugeschnitten. Ebenso ermöglicht eine gute Plattform Unternehmen und Coachees das Coaching Angebot transparent wahrzunehmen – wenn es um gesetzte Coaching Themen, Termine, persönliche Einschätzungen etc. geht. Ein entscheidendes Qualitätsmerkmal ist der Datenschutz und die IT-Sicherheit, die für den Nutzer von essentieller Bedeutung sind. Ebenso lassen sich hier die regelmäßige Qualitätssicherung und die Verbesserung der Plattform durch zusätzlichen Nutzer-Support als weitere Merkmale anführen. Auf die drei wesentlichsten Merkmalen – Zielgruppenorientierung, Transparenz des Angebotes, Datenschutz und IT-Sicherheit – richten wir detailliert unsere Aufmerksamkeit.

Zielgruppenorientierung

Die Bedürfnisse und Erwartungen, die der Coachee an die Plattform und den Coach hat, sind der Ausgangspunkt, auf dem das Konzept aufbaut. So sind ein klar strukturierter und übersichtlicher Internetauftritt sowie eine angemessene Benutzerfreundlichkeit die Grundlage eines professionellen Angebots. Handelt es sich um Business Coaching oder vielmehr um private Themen, die besser im Life Coaching wiederzufinden sind? Dies stellt unterschiedliche Ansprüche an die Gestaltung der Coaching Plattform, wobei die Grenzen im Coaching selbst häufig fließend sind.

Transparenz des Angebots der Coaching Plattform

Über die Rahmen- und Nutzungsbedingungen sollte der Coachee oder das Unternehmen sich schnell und einfach einen Überblick verschaffen können. Es soll ersichtlich sein, wie die Qualifizierung und Ausbildung der Coaches ist. Wie der Umfang der Leistungen (Anzahl und Dauer der Coaching Sitzungen) aussieht, ist ebenfalls ein Aspekt, der nicht außer Acht gelassen werden darf. Sind nur wenige dieser Kriterien gleich zu erkennen, sollte das Angebot mit Vorsicht behandelt werden.

Datenschutz und IT-Sicherheit

Da es sich im Coaching um sehr sensible Daten handelt, ist dieses Merkmal von besonderer Relevanz. So müssen Betreiber einer Coaching Plattform aktive und präventive Vorkehrungen zum Schutz der Daten treffen, wie beispielsweise durch die Verwendung von SSL-Verschlüsselungen. Außerdem sind restriktive Regelungen zur Speicherung und zum Zugriff auf Datenbestände notwendig. Letztendlich gehört auch ein ausformuliertes Datenschutz- und Sicherheitskonzept dazu.

Wie lässt sich die Professionalität von digitaler Coaching Angebote bewerten?

Im Stufenmodell von Berninger-Schäfer (2018) wird ein Klassifikationsmodell für digitales Coaching vorgestellt, welches auf vier Stufen aufbaut. Die Funktionalität und Komplexität der Stufen nimmt dabei schrittweise zu. Auf der ersten Stufe sind die grundlegenden medialen Kommunikationskanäle verzeichnet wie Telefon, E-Mail und Chat. Innerhalb der zweiten Stufe sind Coaching unspezifische Kollaborationsformen jeglicher Art angesiedelt, wie beispielsweise Whiteboard, E-Learning, Managementsysteme und Desktop Sharing. Auf der dritten Stufe finden sich einzelne Coaching Tools wieder, dahinter verbergen sich Bildmaterialien, Aufstellung des inneren Teams und Soziogramm. Diese können einzeln oder zusammen genutzt werden. Auf der letzten Stufe befindet sich ein komplexes, ausgereiftes, interaktives und professionelles Coaching Tool, das über interaktive 2D und 3D Welten, Kompetenzentwicklung, Individualisierung und viele weitere Funktionen verfügt. Diese vierte Stufe stellt die professionellste Form digitalen Coachings dar.

Klassifizierung anhand von Funktionalität und Prozessbegleitung

Während sich bisherige Klassifikationsansätze vor allem an der Funktionalität und dem Nutzen der digitalen Coaching Angebote orientieren, lassen sie die Prozessebene des Coachings weitestgehend außer Acht. Daher widmen wir uns einer eigenen Klassifizierung, die zwischen Funktionalität und Prozessbegleitung im digitalen Coaching differenziert:

 

Je ausgereifter die Funktionalität einer digitalen Coaching Plattform, umso vielfältiger die Tools, die Coach und Coachee zur Verfügung stehen. Dies dient dazu, digitales Coaching so interaktiv zu gestalten und Interventionen umzusetzen wie es im Präsenz Coaching geschieht. Über drei grundlegende Funktionen sollte eine gute digitale Plattform daher verfügen:

  1. Verschiedene Kommunikationskanäle wie Chat, Telefon, Videokonferenz, etc., um vielfältig in Kontakt treten zu können.
  2. Kundenservice, der Coach und Coachee begleitet durch die digitale Bereitstellung von Lernmaterialien, und bei technischen Schwierigkeiten unterstützt.
  3. Transparenz und sichere Verwaltung von Daten, seien es Ergebnisse von Visualisierungsübungen, Transferaufgaben oder Zielen, Dokumentation von Notizen oder auch Terminabsprachen, auf die Coach und Coachee sicher zugreifen können.

Je höher die Prozessbegleitung gewichtet ist, desto umfangreicher wird der gesamte Coaching Prozess über die Plattform abgebildet und automatisiert. Manche Plattformen konzentrieren sich beispielsweise gezielt nur auf die Vermittlung von Coachs, wohingegen andere Plattformen den Coaching Prozess ganzheitlich begleiten. Dies umfasst die Auswahl von passenden Coachs, Coaching Prozessmanagement wie Terminfindung und -erinnerung, oder die Dokumentation von Coaching Sessions einschließlich Dokumentenverwaltung, Übersicht zu Sessions, oder Sicherung von Notizen und Evaluationsergebnissen. Ein wesentlicher Vorteil dieser Prozessbegleitung ist die Möglichkeit einer individuellen Fortschrittsmessung. Daneben lassen sich die Coaching Sessions sowohl für den Coachee, als auch den Coach einfach verwalten. Beide sind somit eng in den Coaching Prozess eingebunden, was zu einer erhöhten Verbindlichkeit und Zielerreichung des Coaching führt (e.g., Bachmann & Fietze, 2008).

Mit der folgenden Checkliste können sie überprüfen, ob eine digitale Coaching Plattform Ihre Anforderungen erfüllt.

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Quellen:

Bachmann, T., Fietze, B. (2018) Die Digitalisierung von Coaching-Gedanken aus der Perspektive teilnehmender Beobachtung
Berninger-Schäfer, E. (2018) Online Coaching
Berry et al (2011) A comparison of face-to-face and distance coaching practices
Groß, M. (2017) Innovationen im Zeitalter der Digitalisierung
Heller, J., Triebel C., Hauser, B., Koch, A. (2018) Digitale Medien im Coaching-Grundlagen und Praxiswissen zu Coaching-Plattformen und digitalen Coaching-Formaten
Pfister, D., Bimschas, D., Fischer, S. (2011) Experimentalumgebungen für das Internet der Dinge: Überblick, Taxonomie und praktische Nutzung
Reindl, R. (2009) Onlineberatung – zur digitalen Ausdifferenzierung von Beratung
Reindl, R. (2015) Psychosoziale Onlineberatung von der praktischen zur geprüften Qualität
Wegener, R., Loebbert, M., Fritze, A. (2016) Coaching Praxisfelder