Dieter Wunderlich ist Ambassador sowie Leadership Coach bei CoachHub und kann auf eine 17-jährige internationale Führungslaufbahn zurückblicken. Nach der Lehre zum Hotelfachmann folgte ein BWL-Studium mit Schwerpunkt Nachhaltigkeitsmanagement und der Einstieg in eine Unternehmensberatung. 11 lehrreiche Jahre später wagte Dieter dann den Sprung in den Konzern zur ALDI SÜD Unternehmensgruppe.

Hier lag es als Director Corporate Responsibility International in seiner Verantwortung, dem Handelsriesen eine nachhaltigere Orientierung zu geben. Nach fünf spannenden Jahren voller Überlegung, wie man Menschen für eine bessere Zukunft begeistern könnte, machte sich Dieter als Stärken- und Leadership Coach selbstständig. Heute ist Dieter 49 Jahre alt und stolzer Vater eines wunderbaren Sohnes. Groß geworden ist er in einem Café, umgeben von Kuchen, dem Duft nach frischem Kaffee und sich angeregt unterhaltenden Menschen. Wenn er seinen Lebensweg und seine Coaching-Vision in einem Wort zusammenfassen wollte, dann wäre dies “Zuversicht”.

CoachHub: Warum hast du dich entschieden Coach zu werden und wie bist du Coach geworden?

Das „Warum“ hat verschiedene Gründe. Zunächst einmal wusste ich mit Anfang 40, dass ich so nicht weitermachen wollte. Es war nach herkömmlichen Maßstäben zwar vieles sehr gut – sinnvoller Job, die Möglichkeit, etwas zu bewegen, tolles Einkommen –, aber gleichzeitig spürte ich auch, dass es noch nicht das war, wofür ich wirklich da bin. Zum anderen hatte ich begonnen, an meinem Vorgehen zu zweifeln.

Ich wollte die Welt immer besser machen, schöner, nachhaltiger, friedlicher, glücklicher. Aber immer öfter hatte ich den Eindruck, Menschen gegen ihren Willen „über die Straße zu bringen“, zu ihrem Glück zu zwingen. Und „zwingen“ wollte ich nicht. Also habe angefangen, mich zu hinterfragen. Und dieser Reflexionsprozess hat zu der Erkenntnis geführt, dass ich überraschenderweise nicht der Träger sämtlicher Weisheit und Stärke bin und dass es daher für mich viel mehr Sinn macht, Menschen an ihre eigene innere Weisheit und Stärke zu erinnern, mitzuhelfen, sie zu aktivieren … und sich an dem zu erfreuen, was dann passiert. Das war mein Weg vom Berater zu Coach.

Und das „Wie“ war wie fast alles im Leben: „Messy“, abenteuerlich, verlust- und erkenntnisreich und ganz anders als geplant. Am besten, Ihr stellt mir die Frage nochmal, wenn wir mehr Zeit und Platz für Wörter haben …

CoachHub: Welche Methoden und Coaching-Techniken wendest du an?

Zunächst einmal bin ich zertifizierter Co-Active Coach und bringe alles mit, was man in dieser Coaching-Schule lernt. Und was man dort lernt, sind weniger Methoden und Techniken als mehr die Haltung als Coach. Dazu gehört zum Beispiel die Grundannahme, dass Deine Coachee „ganz“ und voller Möglichkeiten, Ideen und Ressourcen ist, die sie nutzen kann, um die Herausforderungen in ihrem Leben zu meistern. 

Passend zu diesem ressourcenorientierten Ansatz habe ich mich von Gallup zusätzlich zum Stärken-Coach zertifizieren lassen. Zusammen mit meinen Coachees nutze ich also ganz oft das Online-Stärken-Assessment „CliftonStrengths“ (früher: „StrengthsFinder“) von Gallup als zusätzliche Informationsquelle über Talente, Stärken, Nicht-Talente, Bedürfnisse und Wahrnehmungsfilter.

CoachHub: Was ist dein persönliches Markenzeichen im Coaching?

Ich fange mal damit an, was ich nicht bin: Ich bin kein Reparatur-Coach. Ich repariere keine Menschen, so dass sie wieder funktionieren. Wer von mir gute Ratschläge erwartet, wird meistens enttäuscht. Bestenfalls bin ich ein guter Brainstorming-Partner oder Prozessberater, wie man zu einer guten Entscheidung kommen kann. Reparatur-Coaching kann in bestimmten Situationen Sinn machen und es gibt bestimmt auch gute Reparatur-Coaches. Ich bin jedenfalls keiner.

Was ich aber ganz sicher bin, ist ein Entdeckungs- und Aktivierungs-Coach. Ich helfe „dem hässlichen Entlein“ aus dem gleichnamigen Märchen also nicht, sich entenmäßiger zu verhalten, sondern sich zunächst einmal zu fragen und zu erkunden, ob sie in Wirklichkeit nicht ein Schwan ist. Und wenn nicht das, was dann? Damit verbunden ist meine tiefe Überzeugung, dass es allen besser geht, nicht nur dem Schwan, auch den Enten und den anderen Tieren, wenn der Schwan Schwan sein darf. Und daran anschließend geht es dann darum, den Schwan dabei zu unterstützen, sich als Schwan zu entfalten. Als Ente wäre der Schwan weder erfüllt, noch glücklich, noch erfolgreich.

Mehr zu dem zu werden, wer man eigentlich ist, liegt also im Kern meines Coachings. Mein Markenzeichen ist das des Stärken-Coachs. Ich helfe Menschen zu entdecken und zu nutzen, worin sie von Natur aus stark und großartig sind.

CoachHub: Was ist dein persönlicher Coaching-Ansatz?

Mein persönlicher Coaching-Ansatz ist die Stärkenbrille. Ich versuche, die Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was gut ist, was funktioniert, was wichtig ist, was sich richtig, wahr, lebendig und stark anfühlt. Ausgangspunkt für alles ist die Oase und nicht die Wüste. Dahinter steckt die Überzeugung, dass man nur mit dem arbeiten kann, was da ist und nicht mit dem, was da sein sollte. Es ist immer mehr als genug da. Und daraus ergibt sich für mich auch die Schlussfolgerung, dass es im Coaching weniger darum geht, zu jemandem anderes zu werden, sondern mehr darum, mehr zu dem zu werden, wer man ist. Nachhaltiges Wachstum findet immer ausgehend von der Quelle im Zentrum der Oase statt. Von da aus kann man sich jeder Herausforderung stellen und sie auf authentische Weise bewältigen.

CoachHub: Was ist eine gute Übung aus deinem Coaching, die du auch in deinem Alltag häufig anwendest?

Ich denke, eine der größten Herausforderungen ist es, den Schwan immer wieder daran zu erinnern, dass er oder sie ein Schwan ist. Die Natur hat es so gemacht, dass wir immer wieder an unserem Schwan-Sein zweifeln oder es einfach vergessen. 

Was ich mache, um mich immer wieder daran zu erinnern, wer ich bin, ist: Ich stelle mir jeden Morgen folgende Frage: Wie will ich heute sein und was will heute tun, damit dieser Tag glücklich und erfolgreich für mich ist? Dann beantworte ich mir diese Frage mit Blick auf meinen Kalender selbst. Damit gebe ich dem Tag schon mal eine klare Richtung. Und am nächsten Tag schaue ich, wo ich gelandet bin, spüre in mein Schwan-Sein, orientiere mich neu und fliege wieder los.

CoachHub: Was macht deiner Ansicht nach einen guten Coach aus?

Das Entscheidende ist meines Erachtens nach die Kundensicht: Einen guten Coach macht aus, dass es ihr gelingt, dass ihr Coachee die Zusammenarbeit als hilfreich empfindet. Ideal ist, wenn der Coachee im Zuge des Coachings positive Veränderungen in Denken, Fühlen und Handeln mit Blick auf die Coaching-Ziele an sich wahrnimmt.

Um die Wahrscheinlichkeit eines Coaching-Erfolgs zu erhöhen, macht einen guten Coach aus, dass er sich gut aus- und kontinuierlich weiterbildet und selbst coachen lässt mit dem Ziel, die eigene Selbstkenntnis und die eigene Handwerkskunst zu verbessern. Auch wenn man als Coach Coaching-Erfolg nicht garantieren kann, kann man doch beständig daran arbeiten, die Erfolgswahrscheinlichkeit zu erhöhen.

CoachHub: Was sind deiner Meinung nach die wesentlichen Fähigkeiten, um heute eine gute Führungskraft zu sein?

Ich denke an so etwas wie „Menschliche Reife“. Das ist durchaus altersunabhängig gemeint. Ich glaube, dass ein hohes Maß an Selbstkenntnis ganz wichtig ist, um gut führen zu können. Im Zentrum steht für mich die Erkenntnis: Wer Du bist, ist wie Du führst. Wenn Du nicht weißt, wer Du bist und was Dir wichtig ist, dann bist Du wie ein Schiff ohne Kiel und Steuerrad. 

Ein weiterer Schritt in Richtung „gute Führungskraft“ ist, Verantwortung zu übernehmen für den, der man ist. Und der nächste Schritt wäre für mich, dass die Führungskraft sich bewusst macht, dass gute Führungsarbeit zwei sehr unterschiedliche Aufgaben umfasst, nämlich gutes Management und gute Leadership

Ein guter Manager ist wie ein Dirigent, der die individuellen Unterschiede (Talente, Stärken, Werte) der Teammitglieder so koordiniert, dass gemeinsam schöne Musik entsteht. Dazu gehört zum Beispiel, dass jeder Mitarbeitende genau weiß, was er zu tun hat, dass er seine individuellen Stärken jeden Tag zum Einsatz bringen kann, dass er weiß, dass er für ausgezeichnete Arbeit Wertschätzung erhält und dass er laufend die Gelegenheit erhält, individuell zu wachsen.

Um als „Leader“ erfolgreich zu sein, kommt es auf das Gegenteil an: Großartige Leader fokussieren nicht darauf, was uns individuell unterscheidet, sondern auf unsere Gemeinsamkeiten. Dazu gehören unsere Bedürfnisse nach Sicherheit, Gemeinschaft, Sinn und insbesondere Klarheit und Zuversicht mit Blick auf die Zukunft. Sie schaffen es, die uns Menschen gemeine Angst vor den Unwägbarkeiten der Zukunft zu nehmen. 

CoachHub: Warum kann Coaching helfen, Blockaden zu überwinden?

Wenn wir „Blockade“ als Beschreibung für eine Situation nehmen, in der der Coachee zunächst keine Lösung sieht, dann hilft Coaching darum, Blockaden zu überwinden, weil es den Coachee in die Lage versetzt, eine Haltung (Sein) und ein Vorgehen (Tun) zu entwickeln, das vom Coachee als richtig empfunden wird. 

Die spannende Frage ist natürlich, WIE man das macht. In meiner Coach-Community sprechen wir häufig davon, dass es – vereinfacht gesprochen – nur zwei Modi gibt, in denen unser Gehirn arbeitet. Den „Selbst-Sabotage-Modus“ und den „Modus der/des Weisen“. Und die Handwerkskunst des Coachings dreht sich eigentlich „nur“ darum, wie man dem Coachee möglichst effizient und effektiv dabei helfen kann, in der jeweiligen Situation vom „Selbst-Sabotage-Modus“ in den „Modus der/des Weisen“ zu wechseln. Im „Modus der/des Weisen“ arbeitet unser Gehirn am besten und deshalb finden wir in diesem Modus auch die individuell besten „Lösungen“.

CoachHub: Woran erkennst du basierend auf deiner Erfahrung, dass ein Coaching erfolgreich ist?

Dafür gibt es mehrere Indikatoren. Das Entscheidende für mich ist, dass der Coachee mit dem Coaching zufrieden ist. Noch besser ist, wenn der Coachee noch mehr Coaching-Sessions möchte, weil er die Zusammenarbeit so gut findet. Und ein weiterer Indikator ist, wenn er bereit ist, mir eine persönliche Empfehlung zu geben. 

Ich denke, das Wichtigste für eine erfolgreiche Coaching-Zusammenarbeit ist, dass Coachee und Coach am Anfang vereinbaren, wie Erfolg aussieht. Und dann ist es weiterhin wichtig, im Laufe der Coaching-Sessions auch darüber zu sprechen, wie das Coaching läuft. Wenn der Coachee sich Änderungen wünscht, bleibt so genügend Zeit, das Vorgehen anzupassen.

CoachHub: Was hältst du vom digitalen Coaching?

Ich wollte immer ein „internationaler“ Coach werden und eine Brücke zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft bilden. Meine erste Ausbildung, Co-Active Coaching, hat seinen Ursprung in den USA. Meine mündliche Zertifizierungsprüfung als Coach hatte ich zusammen mit einer Singapurerin, meine Prüfer waren eine Spanierin und ein Israeli. In meiner „Klasse“ waren 9 Coaches aus 6 Ländern vertreten. Meine „Klassenlehrerin“ kam aus Südafrika. Diese Internationalität brachte es mit sich, dass ich es von Anfang an gewohnt war, überwiegend über große Entfernungen hinweg zu coachen und gecoacht zu werden. 

Mit CoachHub und dem digitalen Coaching kam für mich zur Stimme (aus dem Telefon) nun ein Bild hinzu. Der Sprung vom analogen zum digitalen Coaching war für mich persönlich also nicht so groß. Ich wusste schon vorher aus eigener Erfahrung, dass es sehr gut funktionieren kann, eine Coaching-Beziehung aufzubauen, auch ohne dass man körperlich am selben Ort ist. Für viele meiner Kolleginnen und Kollegen, für die Präsenz-Coaching üblich ist, ist der Wechsel zum Digitalen Coaching sicher ein bisschen herausfordernder, aber letztlich in den meisten Fällen auch nur eine Frage der Gewöhnung. 

Der größte Vorteil im Digitalen Coaching liegt für mich darin, dass es den Zeit- und Reiseaufwand minimiert und damit die Kosten für alle Beteiligten senkt. Und mit der Kostensenkung wird der Nutzen von Coaching für mehr Menschen zugänglich.

CoachHub: Was sind deiner Meinung nach die Vorteile von CoachHub?

Bei CoachHub bin ich auf Menschen getroffen, bei denen ich mir von Anfang an sicher war, dass eine sehr gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich sein wird. Die CoachHub-Plattform löst das Problem, dass der richtige Coach und der richtige Coachee sich finden, häufig besser und kostengünstiger als wenn beide Parteien sich alleine auf die Suche machen.

Ich betreibe natürlich selbst keine Studien, aber ich denke, dass der Coaching-Markt weiter wachsen wird, weil immer mehr Menschen den Nutzen von Coaching für sich entdecken werden. Und ich denke, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern immer selbstverständlicher Coaching anbieten werden, weil engagierte Mitarbeiter der größte Erfolgsfaktor für Unternehmen sind und Coaching sich positiv auf das Mitarbeiterengagement auswirkt. 

Was die Coaching-Themen angeht, nehme ich wahr, dass mit Corona und verstärkter Arbeit aus dem Homeoffice das Thema „Mentale Gesundheit“ wichtiger geworden ist (Überbelastung, zu wenig Ausgleich, nicht zur Ruhe kommen, Schlafstörungen etc.). Und ich nehme weiterhin wahr – und ich hoffe sehr, dass ich mir das nicht nur einbilde – dass die Frage „Was ist wichtig im Leben?“ an Bedeutung gewonnen hat. Ich vermute, dass die wenigsten einfach ins alte Normal zurückwollen, sondern dabei sind, ein neues Normal für sich zu entdecken.

CoachHub: Hast du etwas, dass du zum Abschluss gerne ergänzen möchtest? 

Ich bedanke mich vor allem bei Melina Rüger, Head of Operations bei CoachHub und Christina Vasiliadis, Team Lead Coach Relations für die tolle Zusammenarbeit und bei den Gründern und Geschäftsführern Matti und Yannis Niebelschütz für unsere Gespräche im Zusammenhang mit CoachHubs Werte-Workshop. Danke auch an alle weiteren CoachHub-Kollegen und diejenigen von Euch, die ich coachen durfte. Ich habe viel von Euch gelernt. Danke, dass Ihr mich zum CoachHub Ambassador gemacht habt. Und danke, dass Ihr CoachHub4Good ins Leben gerufen habt. Ich unterstütze gerne Menschen, die ihr Leben „Positiver Veränderung“ widmen, durch Coaching noch wirksamer und erfolgreicher zu werden. Ich wünsche CoachHub, dass es gelingt, bei all dem Wachstum und Drehmoment die Mission “Coaching weltweit zu demokratisieren” weiterhin gut im Blick zu behalten und den Erfolg zu genießen.

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