Weltweit verbringen Menschen rund 6 Stunden täglich im Internet. In Deutschland sind es im Schnitt täglich 4 Stunden und 37 Minuten. Das hat eine neue Studie von „Futurezone“ gezeigt. Das Internet ist demnach längst zum festen und nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil unseres Lebens geworden. Dennoch wirft die digitale Kommunikation nach wie vor Fragen auf und hat mitunter mit einigen Vorurteilen zu kämpfen.

Im Coaching fangen die Fragen bereits bei der Auftragsklärung für digitales Coaching an: Kann eine rein mediale Auftragsklärung überhaupt funktionieren? Und wenn ja, wie? Genau hierum soll es in diesem Artikel gehen: Wie kann die Auftragsklärung im digitalen Coachingfunktionieren? Und wie kann die Rolle von HR und Unternehmen dabei aussehen?

Auftragsklärung im klassischen Coaching

Findet im klassischen Coaching eine Auftragsklärung statt, dann steht am Anfang erstmal eine richtungsweisende Frage. Von wem geht der Wunsch nach einem Coaching aus? Sieht der Coachee selbst einen Bedarf und macht sich daher aus eigener Motivation heraus auf die Suche nach einem passenden Coach? Oder geht die Initiative für ein Coaching von jemand anderem aus, wie beispielsweise dem Unternehmen bzw. der Führungskraft?

Ist letzteres der Fall, läuft die Auftragsklärung klassischerweise im Rahmen einer Dreiecksvereinbarung ab. Das Unternehmen, oft vertreten durch die HR-Abteilung, ist letztendlich Initiator des Coachings und hat damit auch maßgeblichen Einfluss auf die Coaching Themen und den Coaching Vertrag. Der Coach muss sich hingegen die Erlaubnis einholen, im Coaching auch weitere Themen, die Gegenstand sein können, bearbeiten zu dürfen, um seinen Gestaltungsspielraum vorher klar abzustecken. Der Coachee selbst hat im Grunde nur bedingt Einfluss auf die Themen, die Gegenstand des Coachings sein sollen.

Schwachstellen in der klassischen Auftragsklärung

Diese bisher gängige Herangehensweise an die Auftragsklärung hat eine entscheidende Schwachstelle. Es ist nicht immer garantiert, dass die Ziele der Personalabteilung/Führungskraft deckungsgleich mit den tatsächlichen Fragestellungen und Herausforderungen des Coachees sind. Der Grund dafür ist schnell erklärt. Das Unternehmen sieht naturgemäß nur Ausschnitte der Arbeit seiner Mitarbeiter. Wenn diese Ausschnitte allein für den Personaler oder die Unternehmensleitung ausschlaggebend sind, um einen Coaching Prozess zu initiieren, dann fehlt oft der ganzheitliche Blick. Dieser ist jedoch notwendig, um den wirklichen Kern eines Problems auf die Spur zu kommen. Um nun einen solch ganzheitlichen Blick garantieren zu können, muss dem Coachee selbst genügend Mitspracherecht und Freiraum bezüglich der Coaching Themen ermöglicht werden. Grundvoraussetzung dafür ist natürlich eine hohe Veränderungsbereitschaft, Eigenmotivation und Selbstreflexionsfähigkeit.

Lösungsansatz im digitalen Coaching

Diese Sichtweise führt im digitalen Coaching zu folgendem Lösungsansatz. Die digitale Auftragsklärung verschiebt sich von einer reaktiven zu einer proaktiven Perspektive. Konkret heißt das: Es wird nicht nur auf Probleme reagiert, sondern dem Coachee wird ein wertschätzender und zielorientierter Raum geöffnet, um proaktiv an sich zu arbeiten. Klare Absprachen und regelmäßige Reflexionen mit dem Unternehmen sorgen dann dafür, dass der Coaching Prozess die Unternehmensziele ebenso einbezieht. Auf diese Weise gelingt es, einen coachee-, zielorientierten und ganzheitlichen Weiterentwicklungsprozess zu initiieren.

Wie gelingt digitale Auftragsklärung im Online Coaching?

Somit können wir festhalten, dass folgende zwei Dinge zu einer guten Auftragsklärung für digitales Coaching notwendig sind. Zum einen eine klare, mit dem Unternehmen deckungsgleiche Zielorientierung und zum anderen genügend Freiraum für den Coachee, um es ihm zu ermöglichen, genau an den Themen arbeiten zu können, die für ihn relevant und für den Coaching Erfolg maßgeblich sind.

Was heißt das konkret?

Eine zielorientierte Auftragsklärung lässt sich dadurch sicherstellen, dass die übergeordneten Themenfelder vorher ganz klar abgesteckt und vertraglich festgehalten werden. Das Spektrum reicht dabei von klassischen Führungsthemen wie Feedback, Konfliktmanagement oder Motivation bis hin zu Themen der Persönlichkeitsentwicklung und sollten breit gefächert sein. Gleichzeitig wird mit diesem vorher definierten Rahmen sichergestellt, dass die übergeordneten Anliegen mit den Unternehmenszielen übereinstimmen und auf die aktuelle Strategie einzahlen.

Mit dieser Verschiebung von einem kontrollierenden, reaktiven Ansatz hin zu einer präventiven und proaktiven Coaching-Haltung wird dem Coachee ausreichend Freiraum gegeben. So kann er selbst entscheiden, wo er seinen Coaching Bedarf sieht und eigene Prioritäten setzen möchte.

Was ist der Unterschied?

Was aber unterscheidet nun die digitale Auftragsklärung noch von der klassischen, abgesehen von ihrem proaktiven Charakter? Hier ist vor allem die Möglichkeit hervorzuheben, Coaching als digitales und damit skalierbares Personalentwicklungsinstrument zu nutzen, um den Erfolg des Coachings deutlich sichtbarer zu machen. Dadurch kann Coaching weit mehr Mitarbeitern als nur den “Problemfällen” zur Verfügung gestellt werden, was ein strategisches Umdenken bezüglich des Einsatzes von Coaching in der Zukunft bedeutet. Mit zunehmender Prozessautomatisierung und Digitalisierung im Coaching bleibt zukünftig kein Raum mehr für eine dezidierte Problemklärung im Einzelfall. Die Lösungsorientierung und Ressourcen-aktivierende Haltung im Coaching, sollte sich nicht nur im Coaching selbst, sondern auch in der Implementierung und im Auftragsklärungsprozess widerspiegeln.

Wie sieht die Rolle von Unternehmen und HR in der digitalen Auftragsklärung aus?

Zusammenfassend lassen sich folgende Kernstrategien festhalten, die Unternehmen nutzen können, um die Auftragsklärung im digitalen Coaching so gewinnbringend wie möglich zu gestalten:

Proaktives Denken

Wer vor allem auf Probleme reagiert, findet selten die Ursachen – und noch seltener werden langfristige Lösungen geschaffen. Es findet häufig ein kurzfristiges und schnelles Eingreifen statt, um das Problem schnellstmöglich zu beseitigen. Daher empfiehlt es sich, andersherum zu denken und die Mitarbeiter proaktiv zu unterstützen. Dabei können die Mitarbeiter ihr gesamtes Potenzial im Coaching entfalten und langfristig besser mit ihren Ressourcen und Stärken umgehen. Probleme können somit schon frühzeitig im Keim erstickt werden.

Eine wertschätzende Unternehmenskultur fördern

In vielen Unternehmen findet verstärkt ein Umdenken statt. Mitarbeiter mit ihren Talenten und Stärken rücken zunehmend in den Mittelpunkt. Diese wertschätzende Haltung wirkt sich positiv auf die Mitarbeitermotivation aus und fördert entsprechende Lern- und Entwicklungsprozesse.

Vertrauen und Reflexion

Ein Coaching Prozess braucht beides, um so erfolgreich wie möglich zu sein. Ein gesundes Maß an Vertrauen in den Mitarbeiter und in die Kompetenzen des Coaches und eine entsprechende Reflexion der Ergebnisse durch das Unternehmen.

Es ist daher wichtig, sich die Zeit zu nehmen, um Reportings durchzugehen, Kennzahlen zu analysieren und regelmäßig Feedbackgespräche mit Mitarbeitern zu führen und so sicherzustellen, dass die angestrebten Ziele auch erreicht werden.

Fazit

Zusammenfassend ist zu sagen, dass sich die klassische Auftragsklärung in Form der Dreiecksvereinbarung von der digitalen Auftragsklärung unterscheidet. Die wesentlichen Faktoren der Unterscheidung sind, dass im Online Format der Fokus mehr auf dem proaktiven und Coachee-zentriertem Ansatz liegt. Dabei drückt das Unternehmen Wertschätzung und Vertrauen im selbstständigen Agieren des Mitarbeiters mit dem Coach aus und fördert damit die Selbstverantwortung für die persönliche Weiterentwicklung. Somit profitieren Unternehmen und HR von digitalem Coaching vor allem durch frei werdende Zeit bei gleichzeitiger Sicherstellung ergebnisorientierter Coaching Prozesse. Das schenkt ihnen ein zusätzliches Zeitkontingent, um sich dem Kerngeschäft und der Weiterentwicklung des Unternehmens zu widmen.

Sie haben Fragen dazu, wie CoachHub bei der Findung von Fokusgebieten den Coachee unterstützt oder wie die Auftragsklärung mit CoachHub funktioniert? Kontaktieren Sie uns gerne.

 

Quellen:

http://www.coachfederation.de/files/brosch__ren_icf_kernkompetenzen_2014_02_28.pdf

https://www.coachfederation.de/files/icf_ethische_standards_deutsch_2016_02.pdf

Björn Migge (2011). Handbuch Business-Coaching

Elke Berninger-Schäfer (2018). Online-Coaching

Jutta Heller, Claas Triebel, Bernhard Hauser Axel Koch (2018). Digitale Medien im Coaching

Evelyn Albrecht (2018). Business Coaching: Ein Praxis-Lehrbuch

Elke Berninger-Schäfer (2018). Online-Coaching

Jutta Heller, Claas Triebel, Bernhard Hauser Axel Koch (2018). Digitale Medien im Coaching