Stress. Er ist die Plage des modernen Arbeitsplatzes. Während man beim Arbeiten schon immer gefordert wurde, ist der Druck in der heutigen Unternehmenslandschaft aufgrund der fortlaufenden Produktivitätsanforderungen auf ein Rekordniveau gestiegen.

Untersuchungen von Towers Watson in Großbritannien haben ergeben, dass 98 % der Mitarbeiter von Stress betroffen sind, wobei 97 Prozent zugeben, dass sie damit zu kämpfen haben, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bekommen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass einige Experten derzeit Stress als das größte Gesundheitsrisiko am Arbeitsplatz ansehen. Aus diesem Grund steht die Reduzierung von Stress im Jahr 2020 für die meisten Personalabteilungen an erster Stelle, zumal die Folge einer gestressten Belegschaft oft ein erheblich schlechteres Geschäftsergebnis sein kann.

Mehr als 25 % der Mitarbeiter versäumen wegen Stress zwischen drei und sechs Arbeitstage pro Jahr. Das liegt an der mit dem Stress verbundenen mangelnden Produktivität, dem fehlenden Engagement und der negativen Einstellung der Mitarbeiter, was dem Unternehmen jährlich etwa ein Drittel ihrer Gehälter kostet.

Arbeitsausfälle durch Nichterscheinen am Arbeitsplatz sowie Präsentismus (länger am Arbeitsplatz bleiben als nötig, auch wenn man z. B. krank ist) machen nur einen Teil der hohen Kosten aus. Die negativen Auswirkungen von Stress werden noch deutlicher, wenn man die Fluktuation von überarbeiteten Mitarbeitern miteinbezieht. Es ist bezeichnend, dass 70 % der Mitarbeiter auf die eine oder andere Weise von Burnout betroffen sind – entweder persönlich, oder betroffene Kollegen bzw. Familienmitglieder haben. Die Situation scheint also ernst zu sein, aber es ist auch möglich, diese Stressepidemie zu bekämpfen. Das haben Unternehmen bewiesen, die Programme zur Gesundheitsförderung und zum Wohlbefinden eingeführt haben, wobei dazu auch das Mitarbeiter-Coaching zählt.

1. Gründe für Stress identifizieren

Genauso wie ein Arzt einen Patienten erst behandeln kann, wenn er das Problem diagnostiziert hat, kann das Coaching den Mitarbeitern helfen, die zugrunde liegenden Ursachen für ihren Stress zu erkennen und zu verstehen. Dieser Prozess ist nicht einfach, da Stress üblicherweise das Ergebnis von externen und internen Faktoren ist. Jedoch konzentrieren sich viele Mitarbeiter stark auf ihre Umgebung und situationsbedingte Faktoren, die sie nur minimal beeinflussen können, statt sich auf die kognitiven Faktoren und eigene Persönlichkeit zu fokussieren, auf die sie Einfluss nehmen können.

Daher geht es in der ersten Coaching-Sitzung oft darum, herauszufinden, weshalb sich ein Mitarbeiter gestresst fühlt. Das Ziel ist es, die Ursachen für den Stress zu ermitteln und zu verstehen. Ein intuitiver Coach kann den Mitarbeiter dabei unterstützen, die psychologischen oder emotionalen Stressquellen zu identifizieren und zu entscheiden, ob er sich von diesen bestimmen lassen will.

2. Mit dem gesamten Ich zur Arbeit gehen

Nach Sara Lynns Erfahrung ist der wichtigste Grund für die Entstehung von Angst eine Diskrepanz zwischen den Werten der Mitarbeiter und der Art und Weise, wie sie sich am Arbeitsplatz verhalten sollen – oder wie sie glauben, sich verhalten zu müssen. Aus diesem Grund verzeichnen bestimmte kundenorientierte Stellen, bei denen die Mitarbeiter gezwungen sind, sich über lange Zeiträume hinweg zu verstellen, die höchsten Raten von Stress und Burnout.

Ganz gleich, ob wir mit unserer Arbeit unzufrieden sind, ob wir das Gefühl haben, dass unsere Talente vergeudet werden, oder ob wir einfach nur eine wirklich schwere Zeit außerhalb der Arbeit durchmachen – viele von uns haben das Gefühl, dass wir ein Lächeln aufsetzen und weiterarbeiten müssen, da wir sonst für die Arbeitsstelle als ungeeignet angesehen werden.

„Obwohl ich glaube, dass alle Manager von einem Coaching-Programm profitieren würden, ist dies nicht Teil der Aufgabe eines Managers. Das Coaching ist die ganzheitliche Betrachtung eines Menschen – und nicht nur eines Mitarbeiters“, erklärt Sara Lynn. „Es ist sehr bestärkend, wenn man einen sicheren, regelmäßigen Austausch mit jemandem hat, dem man vertraut, der sich jedoch außerhalb des beruflichen oder persönlichen Umfelds befindet.“

Dies gilt umso mehr, wenn Menschen mit tiefgreifenden Veränderungen zurechtkommen müssen, die dem Anschein nach in der heutigen schnelllebigen Welt immer öfter vorkommen. Es kann sich dabei um eine Beförderung handeln, eine Unternehmensumstrukturierung, einen neuen Manager oder sogar einen Umzug oder einen kranken Verwandten.

„Das Coaching bietet die Möglichkeit, sich zu entfalten. Es bietet die Erlaubnis zu sprechen. Die Menschen wollen nicht stagnieren. Sie wollen sich weiterentwickeln, nicht einfach nur überleben.“

Bietet man den Mitarbeitern den nötigen Raum und die Mittel, um sich innerhalb des Unternehmers weiterzuentwickeln, dann ist die Wahrscheinlichkeit viel größer, dass sie langfristig im Unternehmen bleiben werden.

3. In Mitarbeiter investieren

Einfach ausgedrückt: Wenn man den Mitarbeitern die Mittel und Möglichkeiten zur Verfügung stellt, sich weiterzuentwickeln, zu wachsen und mit ihren Problemen umzugehen – und zwar als Menschen, nicht nur als Mitarbeiter – dann zeigt man ihnen, dass man sich um ihr Wohlbefinden sorgt. Wenn sich die Unternehmen um ihre Mitarbeiter kümmern, dann kümmern sich auch die Mitarbeiter deutlich mehr um ihre Unternehmen.

Drei Viertel der Unternehmen mit Programmen zur Gesundheitsförderung und zum Wohlbefinden, zu denen auch das Coaching zählt, geben an, dass sich diese Programme positiv auf das Engagement der Mitarbeiter ausgewirkt haben. Es geht hier nicht nur darum, breite Lächeln und High Fives auf den Gängen zu sehen. Die gesamte Führungsetage sollte sich um das Mitarbeiterengagement kümmern, denn tonnenweise Literatur bestätigt, dass ein verstärktes Mitarbeiterengagement zu Folgendem führt:

  • Weniger Arbeitsausfälle durch Nichterscheinen am Arbeitsplatz sowie Präsentismus
  • Erhöhte Produktivität
  • Gesteigerte Verkäufe
  • Mehr Kreativität
  • Besseres Ansehen des Unternehmens
  • Zugang zu einem breiteren, tiefergehenden Talentpool
  • Verringerte Mitarbeiterfluktuation. Dies bringt Einsparungen bei der Einstellung, Rekrutierung, Einarbeitung und Schulung mit sich
4. Für die Zukunft planen

Sich heute direkt mit Stress und Druck auseinanderzusetzen ist eine Investition in die Zukunft der Mitarbeiter und des Unternehmens. Schließlich liegt ein großer Teil der Sorgen in der Zukunftsangst. Hier ist das Coaching am effektivsten.

Sara Lynn erklärt: „Insofern sich die Therapie mit der Vergangenheit beschäftigt, nutzt das Coaching die Vergangenheit, um eine Vision der Gegenwart und Zukunft zu schaffen. Die Menschen fühlen sich zunehmend verloren oder festgefahren, und das Coaching kann beim Verlangen nach ständigem Wachstum und fortlaufender Weiterentwicklung helfen. Wir alle tragen die Antworten in uns selbst, doch ein guter Coach weiß auch, wie man die richtige Frage zum richtigen Zeitpunkt stellt.“

Moderne Unternehmen wissen, wie wichtig es ist, für die Zukunft zu planen und sich ständig weiterzuentwickeln, weshalb es Abteilungen mit Analysten und Strategen gibt, die wegweisende Pläne erstellen. Die Coaches können dem Einzelnen helfen, individuell wegweisende Pläne für das gesamte Leben zu erstellen. „Es ist keine Lösung in einer Sitzung. Bei CoachHub versuchen wir, eine sechs- bis zwölfmonatige Beziehung zwischen dem Coach und dem Coachee aufzubauen. Es ist ein fortlaufender Prozess, bei dem es darum geht, Dinge zu hinterfragen und Verantwortung zu übernehmen.”

IBM stellte fest, dass Mitarbeiter, die sich nicht in der Lage fühlten, sich im Unternehmen weiterzuentwickeln und ihre beruflichen Ziele zu erfüllen, mit 12-fach höherer Wahrscheinlichkeit das Unternehmen verließen. Eine Belegschaft mit klaren Zukunftsaussichten hilft also auch dem Unternehmen.

Die Unternehmen erkennen zunehmend die Bedeutung der körperlichen Gesundheit ihrer Mitarbeiter, doch das geistige Wohlbefinden ist genauso wichtig, wenn nicht sogar noch wichtiger und maßgebender. Von den Arbeitgebern, die Programme zum Wohlbefinden durchführen, berichten 60 % über eine verbesserte Mitarbeiterbindung sowie über eine positive Auswirkung auf die Unternehmenskultur. Wenn Sie also kein Coaching um Ihrer Mitarbeiter willen implementieren, dann sollten Sie es zumindest für Ihr Geschäftsergebnis tun. Aber tun Sie es für Ihre Mitarbeiter!